Warum Cancellara Paris Roubaix nicht gewinnen konnte

Cancellara

Man sah es Cancellara an. Die Enttäuschung war nach den (nur) Podestplätzen bei der Flandern Rundfahrt und Paris Roubaix gross. Dabei war seine Leistung unglaublich und meiner Ansicht nach, war er allen haushoch überlegen. Cancellara war offenbar auf sich alleine gestellt und viele Zeitungen monierten, dass alle Teams gegen ihn fuhren. Dies zeigte sich in den Diskussionen während den Rennen, oder auch als ihm Bidons mit Wasser verweigert wurden.

Ich bin da anderer Meinung. Die Teams und ihre Fahrer fuhren nicht gegen Cancellara. Er ist im Feld ein angesehener Sportsmann. Sie fuhren gegen das Leopard Trek Team. Wenn ein finanzstarkes Team die besten Rennradfahrer abwirbt, dann ist das politisch heikel. Teambesitzer und sportliche Leiter lassen sich dies nicht gerne bieten. Darum haben Bjarne Riis (Saxobank) und Arne Rihs (BMC) alles daran gesetzt, den Luxenburgern ein Schnäppchen zu schlagen. Arne Rihs, der Cancellara gerne zu BMC geholt hätte, gab vermutlich seinem Team die Devise aus richtig zuzufahren. So wurde die Lücke zur Spitze mit Cancellara wieder geschlossen, als die ganze BMC Delegation das Feld anführte. Dies ganz nach dem Motto: „Wenn Du zu uns gekommen wärst, dann wäre jetzt ein starkes Team an Deiner Seite.“ Auch Bjarne Rijs freute sich wie ein kleines Kind über den Sieg von Nick Nuyens. Die Taktik des schlauen Fuchs war aufgegangen.

Ich möchte hier noch eine weitere Frage stellen: Wo war das Leopard Trek Team bei den beiden Klassikern? Von Unterstützung für Cancellara keine Spur. Sogar der Teamwagen war falsch positioniert. Cancellara hat sich vorne alleine verheizt und trotz allem die Sprints um die Podestplätze noch gewonnen. Einfach unglaublich.

Bei den Radteams ist es wie sonst im Sport. Wer wie Real Madrid den anderen die guten Spieler weg kauft, dem ist Erfolg nicht garantiert. Ausserdem schafft dies böses Blut und alle Gegner sind doppelt motiviert. Ich bin gespannt, ob das Leopard Trek Team dies bis zur Tour de France in den Griff kriegt. Dort ist Erfolg Plicht, sonst wird der Rennstall schon bald wieder verschwinden – Stars und namhafte Sponsoren hin oder her.

Bildquelle: leopardtrek.lu – Bild: Graham Watson

Es gibt 2 Kommentare für diesen Artikel
  1. christian at 18:57

    Sehe ich ähnlich, vor allen Dingen den Aspekt, wo waren die anderen Leoparden. Vermute mal, dass man den Fokus in der ersten Saison nahezu ausschließlich auf die Tour ausrichtet und gehofft hat, dass es Cance schon irgendwie alleine richten wirde. Der Schuss ging dann nach hinten los. Bin mal gespannt, ob man einen Wegmann bei den Ardennenklassikern zu sehen kriegt und welche Rolle noch Gerdemann spielen wird.

  2. Maddin at 19:45

    Es war schon auffällig, das Cancellara kein Team um sich hatte. Aber es war auch so, das am letzten Sonntag Hushovd und Ballan auch nur hinterher gefahren sind, ohne selbst etwas zu versuchen. Wie hat Erich es ausgedrückt. Sie versuchten, nur ja nicht zu verlieren.

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